Freizeitgewerbebetriebe expandieren!



Hofgut, Reitsportanlage, Waldschlösschen, Hofladen, Hotel, Boardinghouse, Manufakturgastronomie  ...


OB Dr. Thomas Spies: „Dagobertshausen war ursprünglich mal ein ganz kleiner ruhiger Ort. Vielleicht haben sich das manche auch ausgesucht und dafür in Kauf genommen, dass es keinen Kindergarten und keine Schule gibt und die Busverbindung schlechter ist … Dann ist irgendwann ein Hof verkauft worden … mit sehr viel Aufwand hergerichtet worden und der Hof hat jetzt eine große Scheune und darin kann man größere Veranstaltungen machen und das ist viel besser gelaufen als je einer angenommen hat als es losging, muss man wissen. Dann gibt es bei den Besitzern eine Affinität zu Pferden, deswegen haben die dann irgendwann einen großen Reitstall gebaut. Das ist so Schritt für Schritt gewachsen – das war alles vor meiner Zeit … Da ist nicht ein Plan da gewesen, wir setzen jetzt ein Eventzentrum ins ruhige beschauliche Dagobertshausen. Das hätte ja nie ein Mensch gemacht, sondern da gab es Schrittchen für Schrittchen … dadurch hat sich für den kleinen Ortsteil Dagobertshausen eine Spannung ergeben, mit der vorher glaube ich keiner gerechnet hat als das losgegangen ist. Diese Frage muss man jetzt lösen; man muss gucken, wie sorgt man dafür, dass die Interessen der Dagobertshäuser so gut wie möglich gewahrt werden. Zum Beispiel, indem man draußen keine laute Musik machen kann, indem regelmäßig die Polizei, also das Ordnungsamt kommt und misst … Also man hört die dann, aber man hört sie nicht lauter als die Vögel, es ist halt kein Vogel … Ich glaube, wir sollten ´mal zu einem abgeschlossenen Plan kommen, ja, was eigentlich noch drin sein soll und was nicht und dann ist auch ´mal gut. Man muss da ´mal zu einer Klärung kommen und einmal endgültig abschließend sagen …“ 

(O-TON, OB Dr. Thomas Spies, Vorortdialog Elnhausen - Dagobertshausen 30.09.2020)

Aktuelles


Zum aktuellen Stand der neuen Bauvorhaben Hofgut und Reitsportanlage (04/2024):

  • Kein neuer Sachstand zum Änderungsantrag Regionalplan Mittelhessen zur Erweiterung der Reitsportanlage (derzeit 8 Hektar) um rd. 11 Hektar; laut Geschäftsführer Vila Vita Marburg habe der RP Gießen die Erweiterung in der geplanten Größe kritisch kommentiert.
  • Noch nicht genehmigtes Bauvorhaben „Sanierung Gesamtanlage Im Dorfe 7 (Hof Mengel), Nutzungsänderung von Hotel zum Boardinghouse"

  • Genehmigtes Bauvorhaben „Große Trattoria/Produktionsstätte mit Verkaufsraum und Gaststätte" Dagobertshäuser Str. 6  ist gestartet, Fertigstellung voraussichtlich Sommer / Herbst 2025

Erfassung von Veranstaltungs- und Besucherzahlen 2023: Erhebung nicht erfolgt

 

Geplante Großveranstaltungen

  • 03.07.2024  ca. 1000 Personen
  • 05.07.2024  ca. 1000 Personen
  • 07.07.2024  ca. 2500 Personen

 



Ablehnender Beschluss des Ortsbeirats zum Bauantrag zur „Umnutzung einer Verkaufsstätte zu einer Produktionsstätte mit Verkaufsraum und Gaststätte“ (Dagobertshäuser Str.6)

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Protokoll_26-09-2023.pdf
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Beschluss des Ortsbeirats Sanierung Gesamtanlage Im Dorfe 7 (Hof Mengel), hier: Nutzungsänderung von Hotel zum Boardinghouse/Tektur

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Protokoll_07-11-2023.pdf
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Hintergrundinformation: Der historische Ortskern von Dagobertshausen wird durch die Straße Im Dorfe erschlossen. Den Kern bildeten vier große Drei- und Vierseithöfe  aus dem 18. bzw. 19. Jh. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmäler_in_Dagobertshausen

  • Der Hofkomplex Im Dorfe 7 – ehemaliger Mengelhof – bestand aus sechs Gebäuden. Er wurde 2018 von der Eigentümerfamilie Andreas Pohl, Marburg aufgekauft. Nach den aktuellen Plänen soll in diesem Komplex ein großes Boardinghouse entstehen. Vier Gebäude sind bereits komplett abgerissen worden. Das denkmalgeschützte Herrenhaus und die große denkmalgeschützte Scheune (April 2024 abgerissen) sollten im sanierten Zustand erhalten bleiben.

  • Den gegenüberliegenden Hofkomplex Im Dorfe 14 – ehemaliger Schererhof – hat die Eigentümerfamilie Andreas Pohl 2010 ebenfalls aufgekauft. Hier ist mitten im Ort ein großes Eventzentrum entstanden.  

Hintergrundinformation: Fachjuristische Bewertung der Gewerbe-
expansion von Hofgutkomplex und Reitsportanlage
 
(Auszüge, Stand: 2019/2020)

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Auszüge Fachjuristische Bewertung 2020.p
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Hofgut Dagobertshausen – Lokalitäten, Kapazitäten, Nutzungsformate

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Hofgut DAGO Kapazitäten.pdf
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8 Firmeneinträge: Mittlerweile haben sich acht ansässige Firmen von Hofgut/Vila Vita und Reitsportanlage in Dagobertshausen etabliert, die die hiesige Expansion mit verschiedenen Sparten vorantreiben.



Änderungsantrag Erweiterung der Reitsportanlage RPM 2020


RP Gießen Regionalplanung, Bauleitplanung teilt der Stadtteilinitiative auf Anfrage im Mai 2023 mit:

„… dass es im Jahr 2019 Gespräche mit der Stadt Marburg hinsichtlich der Möglichkeiten einer Erweiterung der Reitanlage Dagobertshausen gegeben hat und im Rahmen dessen auf die Notwendigkeit eines Zielabweichungsverfahren hingewiesen wurde. Ein solches wurde allerdings bisher nicht beantragt."


Hintergrundinformation zur Erweiterungsabsicht der Reitsportanlage

Hierzu ist aufschlussreich, dass seit 2019 mehrere internationale Springreiter mit Pferden zugezogen sind und sich in Dagobertshausen selbständig gemacht haben. 
Seit dem 28.09.2020 existiert die neue Firma Reitsportzentrum Vogel & Will Equestrian GmbH. Gegenstand: „Betrieb eines Reitsportzentrums mit dem Ziel der sportlichen Vorbereitung und Ausbildung von eigenen und fremden Pferden für deren Teilnahme an in- und ausländischen Turnierveranstaltungen sowie die Teilnahme an diesen Turnieren. Die Gesellschaft betreibt darüber hinaus den Handel mit Pferden. Weiterhin kann die Gesellschaft ReiterInnen ausbilden und trainieren.“

 

Somit gibt es drei Firmen (s. 2-4) zur Reitsportanlage Dagobertshausen und eine weitere Neueintragung (s. 1) zum Erwerb von Immobilien etc.

 

Firmeneinträge zur Reitsportanlage 2 - 4 (Stand: Juni 2023): 

 

(1) Neueintragung: Dariwivo GmbH, Mar burg Dagobertshäuser Str. 14, D-35041 Marburg 
Geschäftsführer: David Martin Will, Richard Franz Vogel

Seit 15.12.2021 (Amtsgericht HRB 7895)  

Gegenstand: Der Erwerb von Immobilien, deren Vermietung, Verpachtung und Verwaltung. Tätigkeiten, die unter § 34c GewO fallen, sind nicht Gegenstand des Unternehmens.

https://www.northdata.de/DARIWIVO+GmbH,+Marburg/HRB+7895

 

(2) Neueintragung: Vogel & Will Equestrian GmbH, Dagobertshäuser Str. 14, D-35041 Marburg 
Geschäftsführer: David Martin Will, Richard Franz Vogel

Seit 28.09.2020 (Amtsgericht Marburg HRB 7579)

Gegenstand: Betrieb eines Reitsportzentrums mit dem Ziel der sportlichen Vorbereitung und Ausbildung von eigenen und fremden Pferden für deren Teilnahme an in- und ausländischen Turnierveranstaltungen sowie die Teilnahme an diesen Turnieren. Die Gesellschaft betreibt darüber hinaus den Handel mit Pferden. Weiterhin kann die Gesellschaft ReiterInnen ausbilden und trainieren.

https://www.northdata.de/Vogel+%26+Will+Equestrian+GmbH,+Marburg/HRB+7579


(3) Reitsportanlage Dagobertshausen GmbH & Co. KG, Marburg 
Geschäftsführer: Jacqueline Pohl, Nicola Pohl, Konrad Kugler

Seit 2014 (Amtsgericht Marburg HRA 4778)

Gegenstand: Der Betrieb eines Reiterhofs mit eigenen oder eingestellten Pferden; zur Verfügungstellung von Einrichtungen zur Versorgung und zum Training von Pferden; Durchführung von Veranstaltungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Reitbetrieb; Ausbildung von Pferden und Reitern; Pferdezucht sowie Pensionspferdehaltung

30,4 Mio. € Tiervermögen

https://www.northdata.de/Reitsportanlage+Dagobertshausen+GmbH+%26+Co.+KG,+Marburg/HRA+4778

 

(4) Reitsportclub Dagobertshausen, Marburg e.V. 
Geschäftsführer: Konrad Kugler

Neueintragung: 17.04.2014 (Amtsgericht Marburg VR 5139)

https://www.northdata.de/Reitsportclub+Dagobertshausen,+Marburg/VR+5139



Abriss der denkmalgeschützten Scheune im historischen Ortskern Dagobertshausen, Im Dorfe 7

„Die Eigentümer konnten dann glaubhaft und nachvollziehbar darlegen, dass sich ein Boardinghouse in der alten Scheune nicht wirtschaftlich realisieren und betreiben lässt“, berichtete Birgit Heimrich von der Pressestelle der Stadt Marburg. Zumal ein Sturm zwischenzeitlich auch noch das Dach des Gebäudes beschädigt hatte und es zum Teil eingebrochen war.

OP-Artikel 13.04.2024)



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s. TOP 3
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Der Fall Rosenstraße 9

Zum Hintergrund: Der Fall Rosenstraße 9 zeigt, dass ein Bau, der zum Kulturdenkmal erklärt wird und nachweislich unter Denkmalschutz steht, letztlich nicht geschützt und vom Abbruch verschont wurde. Denkmalschutz und Denkmalschutzgesetz gewährleisten die Erhaltung von Gebäuden nicht, vor allem wenn eine politische Mehrheit sogar mit Unterstützung der Denkmalschutzbehörden und des Denkmalbeirates einem Investitionsvorhaben Vorschub leisten.

 

http://www.stadtbild-marburg.de/archiv/ar-rosenstrasse.htm

http://www.stadtbild-marburg.de/bre-lahn.htm

 

" ... Schließlich wird man fragen müssen welche Verbindungen bestehen denn zwischen Bauherrn-Architekt-Stadtplaner-Bauamt-Denkmalpfleger-Denkmalbeirat, um eine solche Entscheidung praktisch zur Beseitigung des Hauses so stark zu begünstigen."


Hofgut distanziert sich (beim 2. Runden Tisch) von facebook-Zahlen auf der eigenen facebook-Seite

Das Hofgut Dagobertshausen unterhält bzw. pflegt eine Facebook-Unternehmensseite für seine Locations (Event- und Kulturscheune) https://de-de.facebook.com/Eventscheune/. Auf der Startseite ist VILA VITA MARBURG GMBH mit Geschäftsführung Stephan Bretz und Michael Hamann vermerkt. Über diese Website werden regelmäßig bevorstehende Events angekündigt. Dass sich das Hofgut dieser Plattform trotz der von den GF bezweifelten Seriosität bedient und umfangreiches Datenmaterial zur Anzahl von Gästen bei den Events offensichtlich ungeprüft im öffentlichen Netz kursieren ließ und lässt und/oder diese nunmehr als falsche Teilnehmer-/Gästezahlen deklariert, ist erstaunlich.

 

Zitat des verantwortlichen Geschäftsführers Hamann zum eigenen facebook-Auftritt:

 

"Fakt ist, wir sind User bei Facebook und unsere Locations haben entsprechende Seiten auf dieser Plattform, mit welchen andere User auf verschiedene Weisen interagieren können; von „Liken“ über Kommentieren, „Teilen“ bis zu „Ich war dort/dabei“ Meldungen. Alles Interaktionen, die wir als Betreiber weder beeinflussen, verändern noch „veröffentlichen“ können. Wir nehme dieses im besten Fall nur zur Kenntnis; so funktioniert Social Media. Über die Seriosität solcher „Beiträge“ und Zahlen wird zu Recht eine große öffentliche Diskussion geführt."

 

Sind wir - die Stadtteilinitiative - jetzt also "Lügner" oder "Naive" (wie die Geschäftsführer Hamann/Bretz uns im Runden Tisch beschimpft haben), weil wir uns auf eine vom Hofgut betriebene facebook-Webseite bezogen hatten?

 

Ist es seriös solche Seiten zu betreiben im Wissen um ihre "Schattenseiten"? Kann man voraussetzen, dass die Funktionsweise von facebook mit ihren „Schattenseiten“ allgemein bekannt ist? Auf welche Zahlen soll man sich dann beziehen, wenn Vila Vita keine erhebt (s. unten)?

 

Der Hinweis des Hofguts kommt darüber hinaus etwa 2 Jahre zu spät. Die Daten wurden im Zusammenhang mit dem Buch: Dagobertshausen – Ausverkauf eines Dorfes? erhoben bzw. geschätzt, welches im Jahr 2020 erschien. Die auf der Webseite der Stadtteilinitiative publizierten Daten entstammen diesem Buch. Und dennoch hält Vila Vita/ Hofgut an seiner Aussage bis heute fest: dass es sich hier um „eine bewusste Täuschung des Lesers“ handelt (…) „die wider besseres Wissen“ geschah.


Hofgut stellt die von der Stadtteilinitiative ermittelten Daten in Frage

Die von den Hofgutverantwortlichen aufgeworfene Frage, ob die seitens der Stadtteilinitiative für die Vergangenheit  (für die Jahre 2018; 2014 - 2019)  erhobenen Daten den Vorhalt der Unwahrheit (genauer: Der Lüge) erfüllen, ist in der Tat  nebensächlichWeil die Initiative immer nur auf vorhandene Daten aus dem Internet und andere Medien zugreifen konnte (die mit Quellenfehlern behaftet sein können) mussten zum Teil auch Vergröberungen in Kauf genommen werden. Wesentlich war dabei die Darstellung von ungefähren Größenordnungen. Ob das Dorf Dagobertshausen im Jahr 2018 von exakt 60, 80 oder 100 Tausend Besuchern pro Jahr überschwemmt wurde ist dabei unerheblich, jede dieser Größenordnungen ist unangemessen im Verhältnis zur Einwohnerzahl von ca. 350.  

 

Die seitens der Behörden genehmigten Zahlen zu Einzelveranstaltungen werden auch nach den Werbeangaben der Hofgutunternehmen regelmäßig überschritten.

 

Beispiel: (BTB 45/2015) „Nutzungsänderung Eventscheune“: Hier wurde die Umnutzung der ehemaligen Scheune für bis dahin weniger als 200 Personen in eine "Versammlungsstätte" mit bis zu 350 Personen beantragt und genehmigt. Tatsächlich wird diese "Versammlungsstätte" aber schon seit etwa 2013 - ausweislich der Eigendarstellung der zusammengefassten Eventbetriebe im Internet unter www.hofgut-dagobertshausen.com nicht etwa nur für bis zu 350 Personen, sondern für bis zu 3.000 Personen beworben.

 

Wichtig ist mithin die Vorlage von validen Daten durch die Vila Vita - Hofgutunternehmen selbst! Das gilt auch für Themen, die zuletzt im RT  behandelt worden sind. Vor allem im Hinblick auf künftige Entscheidungen in Politik und Verwaltung u.a.

  • zur beantragten Manufaktur-Gastronomie Dagobertshäuser Str. 6
  • zur Erweiterung der Reitsportanlage und nicht zuletzt
  • zum Erlass einer Erhaltungssatzung für den Ortskern und einen städtebaulichen Rahmenplan für den gesamten Ort

sind diese Informationen sehr wichtig.

 

Existieren diese Daten derzeit tatsächlich nicht in den Unternehmen? Wenn es dort angeblich keine Statistiken gibt, beispielsweise zur Anzahl der Hochzeitsevents/Gäste, der Restaurantgäste oder der DVAG-Berater*innen-Meetings oder der Firmenevents, worauf gründet sich dann eigentlich die Behauptung, dass die Stadtteilinitiative ganz offensichtlich mit falschen Zahlen operiert? 

 

Die unverbindliche Aussage von GF Hamann zur Forderung von verlässlichen Zahlen, dass „man dies tatsächlich einmal tun müsste“ reicht hier bei Weitem nicht aus. 

Die Stadt und der RP sollten deutlich machen, dass weitere Genehmigungen und beantragte Plananpassungen erst dann möglich sein werden, wenn die Unternehmen nachvollziehbare Angaben zu aktuellen und künftigen Besucherzahlen  liefern.

 


Leben und Wohnen in Dagobertshausen – eine Neben- oder Hauptsache?

Gibt man in die Suchmaschine von Google den Begriff 'Dagobertshausen' ein, präsentieren sich die ansässigen Gewerbebetriebe – Hofgut, Reitsportanlage, Waldschlösschen, neuerdings mit Iglu Erlebnis usw. – äußerst umfangreich und werbewirksam. Es kann und darf gefeiert werden, „ausgelassen“, durchgängig und in nahezu unbegrenzten Dimensionen. 

Dass hier auch rund 350 Menschen leben, scheint im Bewusstsein der digitalen und kommerziellen Werbe-Welt keine Rolle zu spielen. Die Einwohner kommen nicht vor auf den Internetseiten, so als gäbe es sie gar nicht. So entsteht der Eindruck, als handele es sich bei dem Ort mit dem lustigen Namen einfach nur um einen riesigen Freizeitpark.

 

Wie in keinem anderen Stadtteil von Marburg wurden in Dagobertshausen in den zurückliegenden Jahren kulturhistorisch bedeutsame Liegenschaften und wertvollste Ackerflächen in Gewerbetriebe für den ländlich orientierten Massenkonsum mit angeschlossenen Parkflächen verwandelt. Immer wieder haben die Betriebe bzw. die dahinterstehenden Gesellschafter dabei einfach Fakten geschaffen, indem zum Beispiel Abrisse, Aufschüttungen und Umbauten an denkmalgeschützten Gebäuden ohne Bauantrag und Genehmigung vorgenommen wurden. Die dabei angefallenen erheblichen Bußgelder der zuständigen Behörden wurden anscheinend billigend in Kauf genommen, weil ihre Größenordnungen zwar durchaus beträchtlich waren, nicht aber im Verhältnis zur Finanzkraft der Investoren. Auf dieser Weise wurden „Fakten“ geschaffen, die dann regelmäßig durch nachträglich eingereichte Bauanträge und/oder die Zahlung von Bußgeldern, ordnungsrechtlich „geheilt“ wurden. 

 

In der politischen Welt von Marburg drehte sich lange Zeit fast alles ausschließlich um diese Freizeitindustrie*, wenn das Thema einmal auf den kleinen Stadtteil kam. So konnte der Eindruck entstehen, dass die Entscheider aus Politik und Verwaltung über Jahre hinweg eine Expansion der örtlichen Freizeitindustrie nicht nur bedenken- und planlos zugelassen, sondern auch bewusst befördert haben. Bedenken haben die zuständigen Stadträte immer zurückgewiesen. Einwände seitens der Aufsichtsbehörde (Regierungspräsidium) gab zwischenzeitlich zwar, aber auch diese wurden entweder vor der Macht des Faktischen oder aus „übergeordneten“ Gründen zurückgestellt. Eine Stadt(teil)Entwicklung, die die Bedürfnisse der Wohnbevölkerung berücksichtigt hätte, hat es nie gegeben, stattdessen hat man die Investoren einfach mal machen lassen.

* Was ist eigentlich eine Freizeitindustrie? Nach Wikipedia bedeutet Freizeitindustrie: Industriezweig, der besonders die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Freizeit befriedigt. Mit Freizeitindustrie als Substantiv wird auch der Wirtschaftszweig benannt, der Waren und Dienstleistungen für die Gestaltung der Freizeit produziert. Der Industrie-Begriff suggeriert dabei, dass diese Güter massenhaft bzw. für die Massen produziert werden. Zusammengefasst mit dem Begriff Tourismus bedeutet Freizeitindustrie auch: Mehr Müll und mehr Wasserverbrauch und die Schaffung einer Monokultur, in der es zum großen Teil schlecht bezahlte Jobs für Geringqualifizierte gibt.


Dagobertshausen: Der Wandel in knapp 10 Jahren (2010 bis 2019)

In knapp zehn Jahren wurde der Ort explosionsartig zu einer Art "Event-Location" verändert und ein Ende ist nicht in Sicht: Als nächstes soll der ehemalige Mengel-Hof im Ort in einen überdimensionierten Hotel-, Konferenz- und Restaurant-Komplex umgewandelt werden. Die Nutzung dieses Komplexes für weiteren Event und Party-Betrieb ist laut Bauantrag nicht ausgeschlossen. 

 

Schon jetzt umfasst das Gebiet der Gewerbebetriebe samt Parkplätzen in Dagobertshausen mehr als ein Drittel des Wohnortes (siehe u.a. Bilder) – Tendenz: Expansiv steigend! Die Betriebe dieser einzelnen Investorenfamilie expandieren somit auch flächenmäßig. Erkennbar geworden ist der Versuch, weitere freiwerdende Immobilien und Flächen aufzukaufen. Würden auch noch weitere größere Liegenschaften im Ortskern aufgekauft, wäre nach den bisherigen Erfahrungen alles denkbar: Hauptsache es rentiert sich. Das alles natürlich nachhaltig, idyllisch und familiär - wie in den Hoch-Glanz-Prospekten und auf den Internetseiten der Betreiber heißt. Vorstellbar wäre dann eben auch, die Fortsetzung eines Alptraums.