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Ausverkauf eines Dorfes
Dagobertshausen

Bestellbar u.a. über Büchner Verlag: 

https://www.buechner-verlag.de/buch/dagobertshausen/




Aktuelles




„Kallstadt soll nicht zu Dagobertshausen werden“

Die Rheinpfalz Bad Dürkheimer Zeitung - Nr. 138 Datum Freitag, den 18. Juni 2021, S. 15

https://www.rheinpfalz.de/lokal/bad-duerkheim_artikel,-nil-verursacht-hohe-wellen-_arid,5216706.html?reduced=true

 Ist die aktuelle Entwicklung von Dagobertshausen nur ein Sonderfall, eine Übertreibung, oder hat die jüngere Geschichte des Ortes auch Relevanz für andere Gemeinden und Regionen?“, so die Frage zu Beginn des Buches: Dagobertshausen – Ausverkauf eines Dorfes? (Büchner Verlag) aus dem Jahr 2020. Nur wenig später steht die Antwort bereits fest: Ja, es gibt Orte, die ganz ähnlich zu Dagobertshausen mit den gleichen Zumutungen und Fehlentwicklungen konfrontiert sind. Kallstadt, ein Ort mit etwa 1.200 Einwohner*innen in Rheinland-Pfalz, ist so ein Ort.

 

Auch in Kallstadt an der Deutschen Weinstraße haben sich die Gesellschafter der Unternehmen der örtlichen Freizeitindustrie (Vila Vita etc.) im Jahr 2010 ein Gut zugelegt - kein Hofgut, sondern ein Weingut (Weingut am Nil), die Konzepte der Vermarktung unterscheiden sich kaum voneinander.

 

Gekauft wird auch in Kallstadt nahezu alles an Liegenschaften, was nicht niet- und nagelfest ist. Das hat in Kallstadt zu spürbaren Preissteigerungen geführt. Das Weingut am Nil besitzt inzwischen rd. 40 ha Weinberge, beim Hofgut in Dagobertshausen sind es bislang ca. 100 ha Land- und Forstflächen. Aber es reicht nicht. Regelmäßig werden (z.B. in der Oberhessischen Presse) Anzeigen für weitere Aufkäufe inseriert (s. unten). Ist das schon "Landgrabbing"? Der Begriff steht zwar für dramatischere Ankaufsstrategien - vor allem im Osten Deutschlands, aber tendenziell passt er auch für Kallstadt und Dagobertshausen.

 

Sicher ist: In Kallstadt wie in Dagobertshausen wird sukzessive die bereits im Bestand befindliche Eventgastronomie massiv weiter ausgebaut. Veranstaltungen, Tagungen, Hochzeiten - der Stil ist nahezu identisch: Hier die Dagobertshäuser Landpartie, dort das Kallstädter Löwenfestival, hier der goldene Spargel dort der goldene Wein. Allerorten: Riesenevents - hier mit Spitzenköchen, dort mit Spitzenwinzern. Veranstaltungsformen, Verkehr, Besucherzahlen - alles steigt explosiv - in Dagobertshausen wie in Kallstadt.

 

Und passen will das in beiden Orten nicht in die jeweils ländlich-dörfliche Umgebung.

Wird hier ein Franchise Modell aufgebaut („McDonalds für Wohlhabende“), das sich weitgehend uniform auch auf andere dörfliche Strukturen übertragen ließe mit den gleichen negativen Folgen? 

 

Aber es gibt auch positive Gemeinsamkeiten:

Hier wie dort haben sich Bürgerinitiativen gebildet: Hier: Die Stadtteilinitiative (SI) Leben und Wohnen in DAGO und dort: Die Bürgerinitiative (BI) Steinacker (Kallstadt - Weingut am Nil). Beide Initiativen stemmen sich den Entwicklungen im Ort entgegen und erfahren breite Unterstützung innerhalb der Bevölkerung. In Dagobertshausen entfielen zuletzt 31% der abgegebenen Stimmen bei der Ortsbeiratswahl auf die kritische Stadtteilinitiative (Bürger*innenliste). Und die in Kallstadt unlängst gegründete BI hat in nur 5 Wochen weit über 250 Mitglieder für sich überzeugen können, was einem Anteil an der Bevölkerung von rd. 20% entspricht.

 

Beide Bewegungen müssen dabei heftig darum kämpfen, seitens der Politik - aber auch in den Medien wahrgenommen zu werden. Die Pohl’schen Unternehmen scheinen dagegen überall mächtige Unterstützer zu haben und anscheinend auch dort, wo man sie gar nicht vermutet hätte. So macht die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) im Gewand des Journalismus kaum verblümte Werbung für die beiden Event-Locations:

 

Dagobertshausen: ABENTEUER DAGOBERTSHAUSEN: Ente gut, alles gut

 

„Der Weg nach Dagobertshausen liegt fünf Kilometer oberhalb von Marburg. Zum Hofgut gehört neben dem Waldschlösschen“ und dem „Schlafgut“ mit acht Doppelzimmern ein Hofladen, die Kulturscheune und ein Sommergarten.“

https://www.faz.net/aktuell/reise/besuch-in-dagobertshausen-bei-marburg-16916802-p3.html

 

Kallstadt: DAS „WEINGUT AM NIL“: Das dreifache Rätsel von Kallstadt

 

„Noch nicht am Ziel, aber auf gutem Weg: Das Weingut am Nil in der nördlichen Pfalz besinnt sich auf seine alten Stärken und lässt sich dabei noch nicht einmal von Donald Trump beirren.“ 

https://www.faz.net/aktuell/stil/essen-trinken/warum-ein-besuch-auf-dem-weingut-am-nil-lohnenswert-ist-16676470.html

 

In diesen "Berichterstattungen" kommen die Schattenseiten der expandierenden Freizeitindustriebetriebe für die anwohnende Bevölkerung in keiner Weise vor. Stattdessen wird alles aus einer sehr rosafarbenen Brille betrachtet.

 

Kallstadt steht unter Umständen noch bevor, was Dagobertshausen in nur zehn Jahren erfahren bzw. erleiden musste. Kallstadt kann hoffentlich noch vieles von dem abwenden, was in Dagobershausen kaum noch umkehrbar ist. „Kallstadt soll nicht zu Dagobertshausen werden“, sagen die Kallstadter und die kritischen Dagobertshäuser wollen sie dabei nach Kräften unterstützen. Man befindet sich im regen Austausch. Der Dialekt der Pfälzer sei teilweise schwer verständlich, sagen die Hessen - aber davon einmal abgesehen - können wir hier jedes Wort von dem verstehen und nachvollziehen, was dort gesprochen wird.

 

Auch wenn die unselige Entwicklung in Dagobertshausen bereits viel weiter fortgeschritten ist als in Kallstadt, so ließe sich doch - auch hier - noch einiges verhindern. Stadtteilinitiative und Ortsbeirat sind mittlerweile auf einem gemeinsamen Weg dazu (siehe oben).

 

Aber man muss leider auch feststellen, dass Dagobertshausen durch die Entwicklung der letzten Jahre in gewisser Weise zu einem Negativbeispiel geworden ist. Negativ ist, dass die Marburger Politik das alles so lange - tatenlos - zugelassen hat. Positiv ist aber zugleich, dass sich Teile der Dagobertshäuser Bevölkerung zur Gegenwart hin aktiv gegen eine weitere Expansion der Freizeitindustrie wehrt. Kallstadt hat dabei im Vergleich zu Dagobertshausen früher und massiver auf die Zumutungen reagiert. Wenn man also zusammenfassend von Vorbildern sprechen möchte könnte man sagen: Kallstadt soll (am Ende) nicht zu Dagobertshausen werden - aber Dagobertshausen muss jetzt endlich auch mal mehr zu Kallstadt werden!


Göhren an der Ostsee - auch so ein Fall

Nirgendwo ist die Demokratie so konkret wie in der Lokalpolitik. Wir sind auf keiner anderen Ebene so unmittelbar davon betroffen, was unsere Volksvertreter*innen entscheiden. Und trotzdem scheint sich ein Großteil der Menschen nicht dafür zu interessieren.

So ist es auch in meinem Heimatdorf Göhren. Ich möchte nicht, dass sich Göhren mit seiner malerischen Landschaft irgendwann zu einem leblosen Touristenort ohne soziale Strukturen entwickelt, der nur einmal im Jahr seinen Zweck erfüllt: Im Sommer zur Hauptsaison.

Ob es so kommt, entscheidet weitgehend die Mehrheit im Gemeinderat. Und weil es dort immer wieder Beschlüsse gab, die offenbar im Interesse Einzelner und nicht für das Gemeinwohl durchgesetzt wurden, drehte ich diesen Film. “Wem gehört mein Dorf?” erzählt von Menschen mit verschiedenen Ansichten und Zielen, die alle meinen das Richtige zu tun. Es ist ein Film über die Kraft der Demokratie. (Christoph Eder)



20.05.2021 Ortsbeirat beschließt Moderation

Der OBR beschließt mit den Einwohner*innen des Stadtteils ... unter Einschluss auch der konfliktbehafteten Themen wie Umbauten im Dorfkern und den Umgang mit den verschiedenen gewerblichen Betrieben eine Moderation zu beginnen.

Die Erwartungen an eine solche Veranstaltung werden unterschiedlich sein. Man kann aber durchaus der Ansicht sein, dass es gut ist, wenn jetzt überhaupt endlich mal etwas in dieser Richtung passiert

 

Lesen Sie dazu ausführlich: Moderation DAGO 2021



"Stadt genehmigt umstrittenes Bauprojekt in Dagobertshausen"

Mengelhof: Abriss (12.04.2021)
Mengelhof: Abriss (12.04.2021)

"Der Ausbau der Gastronomie- und Veranstaltungsbetriebe sorgt in Dagobertshausen seit Jahren für Streit. Nun hat die Stadtverwaltung das neueste Projekt genehmigt: Den Umbau des Hofs Mengel zu einem Landhotel. Die Stadtteilinitiative und der Ortsbeirat finden das Vorhaben 'überdimensioniert'“. (OP vom 19.05.2021, S. 3)

 

https://www.op-marburg.de/Marburg/Stadt-genehmigt-umstrittenes-Landhotel-im-Hof-Mengel-in-Dagobertshausen


Dagobertshäuser*innen legen Widerspruch  gegen die Genehmigung des Bauantrags Mengelhof ein

Widerspruch nach §§ 68 I 1, 40 I VwGO

gegen die Genehmigung des Bauantrags: Sanierung, Umbau und Umnutzung Gesamtanlage Hof Mengel Im Dorfe 7 (BTB 327/2019) Mengelhof Neubau

Bauherr: Andreas Pohl

Antragsdatum: 27. September 2019

Genehmigt durch die Stadt Marburg (Fachbereich: Planen, Bauen, Umwelt) mit Bescheid vom 30.03.2021

 

HAUPTARGUMENTE DES WIDERSPRUCHS

  1. Der Hotelkomplex stellt eine unrechtmäßige strukturelle Veränderung des Stadtteils Dagobertshausen dar. Auch insofern ist die in der Baugenehmigung getroffene Ermessensbeurteilung der zuständigen Baubehörde, wonach die in Rede stehende Baumaßnahme zu keiner unzumutbaren Belastung der Einwohnerschaft von Dagobertshausen führe, nicht nachvollziehbar, zumal diese nicht ansatzweise begründet wurde.
  2. Durch die seit dem Jahr 2010 nach und nach in verschiedenen Tranchen erteilten unterschiedlichen Baugenehmigungen bzgl. des Gesamtareals ist ein großflächig ausgedehnter, aus unterschiedlichen Eventeinrichtungen bestehender Gesamtbetrieb in Dagobertshausen entstanden, der, wäre er sogleich mit einer Gesamtgenehmigung beantragt worden, niemals hätte genehmigt werden können und dürfen.
  3. Die baulichen und sonstigen Anlagen sind unzulässig, weil sie nach Anzahl, Lage, Umfang und Zweckbestimmung der Eigenart des Baugebiets widersprechen. Das Gebot der Rücksichtnahme, welches Bestandteil des Begriffs des „Einfügens in die Eigenart der näheren Umgebung“ nach § 34 Abs. 1 BauGB ist, ist verletzt. 
  4. Eine sachgerechte Berücksichtigung der Interessen aller Planbetroffenen (inklusive der Einwohnerschaft von Dagobertshausen) durch die Gesamtanlage der örtlichen „Freizeitindustrie“ im Ortsteil Dagobertshausen vermittels eines gebietsübergreifenden Bauleitplans hat nicht stattgefunden. Die Stadt Marburg hätte anstelle von Einzelbaugenehmigungen stillschweigend die sukzessive Umwandlung eines bis dato durch klare Nutzungen geprägten Ortsteils (Dorfgebiet und Wohngebiet) in Freizeitindustrie-Gebiet zuzulassen den gesetzmäßigen Weg eines Planaufstellungsverfahrens im Sinne der § 1 ff. BauGB wählen müssen.
  5. Eine Auseinandersetzung mit den ablehnenden Gründen des OBR zu dem im Rede stehenden Bauprojekt seitens der Baubehörde hat nicht stattgefunden, dies wäre jedoch Voraussetzung für die von der Baubehörde getroffene Verwaltungsentscheidung.
  6. Die erteilte Baugenehmigung ist nach Inhalt, Reichweite und Umfang der genehmigten Nutzung unbestimmt und damit unzulässig.
  7. Die zugelassene vollständige Umstrukturierung des Ortsteils Dagobertshausen verstößt  gegen die Ziele der Raumordnung. Der Regionalplan Mittelhessen setzt für den Bereich Dagobertshausen ausschließlich Vorranggebiete für Landwirtschaft und Forstwirtschaft sowie im Bereich des Wohngebiets ein Vorranggebiet Siedlung fest.
  8. Unbekannt ist auch der Sachstand zur von sachkundigen Anwohnern beschriebenen denkmalschutzrechtlichen Situation: In einem Gewölbekeller auf dem Areal des Mengelhofes befindet sich in Richtung Hof ein zugemauertes Tor. Es werde angenommen, das Gewölbe setze sich in dieser Richtung fort und münde in einen Gang, der unterhalb der Ruine des Herrenhauses auf der gegenüberliegenden Seite der Straße „Im Dorfe“ ende.

Bauantrag zum Mengelhof-Hotel-/Konferenz- Komplex - angeblich ohne wesentliche Änderung zum Bauantrag genehmigt

Nur eine Woche nach der OB-Stichwahl hat die Stadt bzw. die Bauaufsicht mit Schreiben vom 30.03.2021 (Eingang beim OBR am 19.04.2021) ihre Genehmigung zu dem Bauvorhaben Hotelkomplex Mengelhof erteilt. Zufall? Wohl kaum. Seit anderthalb Jahren existierte der Antrag ohne veröffentlichte Informationen zum Sachstand. Das o.g. Schreiben an den Ortsvorsteher dazu: Ein Zweizeiler. Mit keiner Silbe ist man auf die erheblichen Bedenken des Ortsbeirats bzw. seine Ablehnung des Bauantrags vom 31.10.2019 eingegangen.

 

Die Stadtteilinitiative wurde entgegen anders lautender Absprachen und Zusagen seitens OB und BM Stötzl erst auf Rückfrage hin informiert. Ebenso sind die Zusagen der städtischen Entscheidungsträger, dass „wir Ihre geäußerten Bedenken und Anregungen in die weitere Prüfung einbeziehen werden“, nach Meinung der Stadtteilinitiative nicht eingehalten worden. Dazu hieß es zuletzt in der OP: "Die Zusage von Oberbürgermeister Spies und Bürgermeister Stötzel an die Kritiker der Entwicklung in Dagobertshausen gelte - nämlich 'dass vor eventuellen zukünftigen grundsätzlichen stadtplanerischen Entscheidungen eine abschließende und verbindliche Gesamtplanung erfolgen muss', teilte die Stadtverwaltung weiter mit."

 

Jetzt könnte der überdimensionierte Hotelkomplex gebaut werden. Es gibt kaum jemanden im Ort, der das im vorgesehenen Umfang möchte. Trotz 18monatiger Prüfung beinhaltet der genehmigte Bauantrag angeblich nur marginale Änderungen zum ursprünglichen Bauantrag. Gesehen hat das keiner. Dem Vernehmen nach soll mit dem Neubau aber erst im nächsten Jahr begonnen werden. 



Hinweise auf weitere Rubriken dieser Webseite


Hofgut, Reitsportanlage, Waldschlösschen, Hotelkomplex Mengehof ... es geht immer weiter

Rot = Expandierende Freizeitindustrie; P = Ackerfläche und umzäunte Ackerfläche, die zum Parken zweckentfremdet wird und "wildes Parken" auf dem Acker


Neuaufstellung Regionalplan Mittelhessen (RPM) 2020

RPM: Arbeitspapier
RPM: Arbeitspapier

Im Entwurf eines Grundsatzpapiers für die Regionalversammlung werden Gebiete (u.a.) für Dagobertshausen ausgewiesen, für die sich die Stadt Marburg eine „Zurückstellung der Belange Landwirtschaft, Klima, Regionaler Grünzug (zum Zwecke der) … Eigenentwicklung von Siedlung und Gewerbe“ wünscht. Zu beachten sind die lila Umrandungen rund um den Hofgutkomplex, parallel zum Unteren Schlehdornweg bzw. Flachpfuhl und für das Gebiet Weidenbrunkel.

 

Der RPM gilt mit Beschlussfassung (voraussichtlich in 2021) für 8 Jahre.