Berichte & Redaktionelle Beiträge


Narrative (Teil 1) – Wie die Magistratsspitze die Situation Dagobertshausens erzählt ...

„Dagobertshausen war ursprünglich mal ein ganz kleiner ruhiger Ort. Vielleicht haben sich das manche auch ausgesucht und dafür in Kauf genommen, dass es keinen Kindergarten und keine Schule gibt und die Busverbindung schlechter ist … Dann ist irgendwann ein Hof verkauft worden … mit sehr viel Aufwand hergerichtet worden und der Hof hat jetzt eine große Scheune und darin kann man größere Veranstaltungen machen und das ist viel besser gelaufen als je einer angenommen hat als es losging, muss man wissen. Dann gibt es bei den Besitzern eine Affinität zu Pferden, deswegen haben die dann irgendwann einen großen Reitstall gebaut. Das ist so Schritt für Schritt gewachsen – das war alles vor meiner Zeit … Da ist nicht ein Plan da gewesen, wir setzen jetzt ein Eventzentrum ins ruhige beschauliche Dagobertshausen. Das hätte ja nie ein Mensch gemacht, sondern da gab es Schrittchen für Schrittchen … dadurch hat sich für den kleinen Ortsteil Dagobertshausen eine Spannung ergeben, mit der vorher glaube ich keiner gerechnet hat als das losgegangen ist. Diese Frage muss man jetzt lösen; man muss gucken, wie sorgt man dafür, dass die Interessen der Dagobertshäuser so gut wie möglich gewahrt werden. Zum Beispiel, indem man draußen keine laute Musik machen kann, indem regelmäßig die Polizei, also das Ordnungsamt kommt und misst … Also man hört die dann, aber man hört sie nicht lauter als die Vögel, es ist halt kein Vogel … Ich glaube, wir sollten ´mal zu einem abgeschlossenen Plan kommen, ja, was eigentlich noch drin sein soll und was nicht und dann ist auch ´mal gut. Man muss da ´mal zu einer Klärung kommen und einmal endgültig abschließend sagen …“ 

(O-TON, OB Dr. Thomas Spies, Vorortdialog Elnhausen - Dagobertshausen 30.09.2020)


Weitere O-Ton-Aussagen von Magistratsmitgliedern 2012 - 2024


Einige Fakten:

  1. Das Wohngebiet Dagobertshausens umfasst rd. 17 ha mit 360 Einwohnerinnen und Einwohner im Jahr 2024 (gegenüber 438 Einwohner/-innen im Jahr 2010)
  2. Der Hofgutkomplex und die Reitsportanlage – rd. 40 genehmigte Bauanträge – umfassen rd. 9 ha; hinzu kommen umfangreiche Acker- und Waldflächen.
  3. Trotz hinreichender Kenntnis der strukturellen Veränderungen und Nutzungskonflikte hat die Stadt bisher weder intervenierend noch regulierend mit dem Ziel einer ausgewogenen Stadtentwicklungsplanung eingegriffen.
  4. Die städtebauliche Fehlentwicklung wird durch die geplante Ansiedlung des 24 ha großen Industriegebiets Görzhausen IV extrem verschärft.
  5. Durch den Strukturwandel wird der Lebens- und Wohnort Dagobertshausen sukzessive verdrängt.

Bericht zur Sitzung des Bau- und Mobilitätsausschusses am 08.05.2024, 18.00 Uhr

 

hier: Tagesordnungspunkte

- Rahmenplanung für den Stadtteil Dagobertshausen VO/1920/2024

- Abriss der Scheune Hof Mengel

 

  1. Vorlagen zur Expansion des Pharmastandortes Görzhausen: Die drei Vorlagen zu Görzhausen I – Parkhauszwischennutzung – (Satzungsbeschluss), Görzhausen II (Feststellungsbeschluss), Görzhausen III (Satzungsbeschluss) wurden erwartungsgemäß von allen Fraktionen – außer den beiden Linken-Fraktionen – beschlossen.
  2. Zum Rahmenplan für den Stadtteil Dagobertshausen trägt OB Dr. Spies (SPD) vor: Verweis auf die vorangegangene Moderation („Runder Tisch“), „erfolgreiche und wünschenswerte Entwicklung“, inzwischen „sehr beruhigte Lage“ etc. Dank i.d.Z. an OV Reckling. Ziel Rahmenplan: „Möglichst umfangreich einvernehmliches“ Ergebnis unter Einschluss aller Beteiligen (also auch der Geschäftsführungen Hofgut etc., die bereits zugesagt haben).
  3. Rahmenplan Dagobertshausen: Fr. Bauder-Wöhr (Marburger Linke) fragt nach dem Ausstieg bzw. Wegzug von Herrn Rautenberg. Ich melde mich zu Wort, stelle mich vor, korrigiere den angeblichen Wegzug und biete weitere Auskünfte an. Frau Bauder-Wöhr bittet darum, mir das Wort zu erteilen. Der Ausschussvorsitzende Hr. Heck (CDU) lehnt ab mit der Begründung, dass ich dem Ortsbeirat nicht mehr angehöre. Frau Bauder-Wöhr (Marburger Linke) stellt weitere Fragen zur Verbindlichkeit des Rahmenplans. 
    Frau Bastian (Die Linke) stellt fest, dass der Rahmenplan 15 Jahre zu spät käme und stellt auf die aktuell neu hinzu gekommenen Belastungen für den Ort ab (Görzhausen IV und weitere Erweiterungen durch Investor Pohl. Außerdem fehlten in der Vorlage Terminvorgaben. OB Dr. Spies (SPD) sieht keine Eilbedürftigkeit: Erst Rahmenplan dann Baurecht schaffen. Stadtrat und Baudezernent Dr. Kopatz (Klimaliste Marburg) empfiehlt: Vergangenheitsbewältigung beenden und in die Zukunft schauen. Ergebnis der Abstimmung: Einstimmigkeit für Erstellung einer Rahmenplanung.
  4.  Abriss der Scheune Hof Mengel OB Dr. Spies trägt vor, dass der Bauherr (Fam. Pohl) nach der Baugenehmigung eines Hotelkomplexes (ehemaliger Hof Mengel) im März 2021 sodann im März 2023 einen Antrag zum Abriss der Scheune gestellt, der vom Denkmalschutz im April 2023 abgelehnt worden sei. Dagegen habe der Bauherr Widerspruch eingelegt. Diesem Widerspruch habe der Magistrat mit Beschluss vom 19.02.2024 abgeholfen. Dafür sei ein neues Angebot des Bauherrn entscheidend gewesen, wonach er anstelle des Hotels ein Boardinghouse bauen zu wollen. Damit habe der Bauherr „zu Gunsten des Dorffriedens“ auf den bereits genehmigten Hotelbetrieb und damit auf wirtschaftliche Interessen verzichtet. Danach hat die Bauaufsicht eine Abrissgenehmigung erstellt. Herr Reckling stellt fest, dass vor dem Abriss keine weitere Information/Beteiligung des OBR stattgefunden habe. Man sei also vom Abriss überrascht gewesen. Stadtrat Dr. Kopatz (Klimaliste Marburg) verweist dazu auf den zuvor benannten Beschluss vom 19.02.2024. Die Sachlage sei somit bekannt gewesen.
  5. Denkmalschutz: Die Linken tragen denkmalschutzrechtliche Bedenken zum Abriss der Scheune vor. OB Dr. Spies (SPD) nahezu wörtlich dazu: Ihm sei der Dorffriede wichtiger als der Denkmalschutz. Mithin sei der Abriss und die Genehmigung des Boardinghouse-Konzepts auch ein Ausfluss aus der vorangegangenen erfolgreichen Moderation zum Zwecke der Wiederherstellung des Dorffriedens. Herr Reckling bezweifelt sogar (in seiner Funktion als Ortsvorsteher), ob die Scheune überhaupt denkmalgeschützt gewesen sei (Hinweis d. Verf.: Warum hat die Denkmalschutzbehörde den Abriss dann noch im April 2023 abgelehnt?). Herr Reckling meint, der Denkmalschutz hätte sich nur auf das Ensemble (Dreiseitenhof Mengel) bezogen, ein Boardinghouse, das diesem architektonischen Konzept entspräche, würde dem Denkmalschutz also nicht entgegenstehen.

Thomas Rautenberg (Dagobertshausen)

 


Bericht der Lokalen Agenda Nachhaltige Stadtentwicklung am 02.05.2024

u.a. öffentliche Zugänge zu aktuellen Themen der Stadtpolitik bei Stadt, Kreis, RP Mittelhessen und anderen öffentlichen Quellen - Anleitungen zur Praxis

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Bericht LANSE_20240502HJF_20240508.pdf
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Redaktioneller Beitrag zu Dagobertshausen von MIO e.V. Marburg