Nachfolgend finden Sie erschienene Presseartikel, Berichte anderer Websites, Buchhinweise, Livestreams, Interviews etc.

Berichterstattungen der Oberhessischen Presse



Stadt im Gespräch: Vorortdialog/Livestream 30.09.2020 mit Oberbürgermeister Dr. Spies Elnhausen/Dagobertshausen

– Hohe Erwartungen, große Enttäuschung!

 Diese vielsagende und zugleich auch nichtssagende Video-Aufzeichnung des Vorortdialogs vom 30.09.2020 in Elnhausen stellt die Stadt Marburg zur Verfügung.

 

Interessant für Dagobertshausen ab 1. 44 (Minuten)

 https://flashlight.video/vorortdialog/  

Neben Zugangsproblemen in den Livestream zeichnete sich der Vorortdialog durch ausufernde Monologe, Abschweifungen und Detailberichte ohne Bezug auf konkrete Fragen aus. Die von der Stadtteilinitiative vorab eingereichten Fragen wurden nicht aufgerufen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass diese Fragen unerwünscht waren, auch wenn sich deren Behandlung wegen der Beharrlichkeit ihrer Verfasser*innen letztlich nicht mehr verhindern ließ.

Oberbürgermeister Dr. Spies zeigte zwar ein Problembewusstsein zu den Nutzungskonflikten zwischen Leben/Wohnen und Freizeitgewerbebetriebe, schien jedoch teilweise eine unzureichende Sachkenntnis zu besitzen Dieses zeigte sich beispielsweise in fragmentarischen Beschreibungen oder verniedlichenden Äußerungen. Dass der Ortsvorsteher Peter Reckling weder präzisiert noch korrigiert hat, bleibt völlig unverständlich.

Es war nicht erkennbar, dass eine proaktive, planvolle und ausgewogene Stadtteilentwicklung in Verantwortung des Magistrats ansteuert wird.  Die bisherige investorenfreundliche Entwicklung in Dagobertshausen wird seitens Stadtverwaltung und maßgeblicher Politik immer noch bedenken- und planlos fortgesetzt bzw. aktiv befördert.

 

Offizielle Berichterstattung der Stadt zum Vorortdialog Elnhausen/Dagobertshausen

https://www.marburg.de/portal/meldungen/vorortdialog-ob-beantwortet-fragen-900007048-23001.html?rubrik=900000004

 

 

Vorab eingereichte Fragen der Stadtteilinitiative an OB Dr. Spies

1.       Die Argumentation unseres Anwalts aufgreifend fragen wir nach einem dringlich zu erstellendem Bebauungsplan für den Ortskern von Dagobertshausen, nachdem bislang in kleinen Tranchen massive Betriebserweiterungen und Funktionsänderungen der örtlichen Unternehmen der Freizeitindustrie beantragt (über 30 Bauanträge in den letzten 8 Jahren) und auch genehmigt worden sind. Will der Magistrat immer weiter zulassen, dass der Ortsteil Dagobertshausen gleichsam „scheibchenweise“ zu einem (zusammenhängenden) Eventzentrum umgestaltet wird oder will er künftig seiner Verantwortung zu einer aktiven ausgewogenen Stadtteilentwicklung (Balance zwischen Leben/Wohnen und Freizeitgewerbe) nachkommen?

2.       Entspricht die sukzessiv zugelassene Umstrukturierung des Ortsteils Dagobertshausen zu einem Event- und Freizeitzentrum den Zielen der Raumordnung, da im Regionalplan Mittelhessen für den Bereich Dagobertshausen ausschließlich Vorranggebiete für Landwirtschaft und Forstwirtschaft sowie im Bestand ein Vorranggebiet Siedlung festgeschrieben sind (Gewerbe- und Freizeitgebiete sind hier nicht ansatzweise vorgesehen) 

3.       Aktuell bekannt geworden ist der Entwurf eines Grundsatzpapiers für die Regionalversammlung zur Änderung des RPM 2010 (s. nachfolgenden Bericht dazu). Darin sind Gebiete (u.a.) für Dagobertshausen ausgewiesen, für die sich die Stadt Marburg eine „Zurückstellung der Belange Landwirtschaft, Klima. Regionaler Grünzug (zum Zwecke der) … Eigenentwicklung von Siedlung und Gewerbe“ wünscht. Das betrifft größere Flächen rund um den Hofgutkomplex, parallel zum Unteren Schlehdornweg bzw. Flachpfuhl und das Gebiet Weidenbrunkel. Was bezweckt der Magistrat konkret für Dagobertshausen mit dieser Änderung?

4.       Im Zusammenhang mit der neuen Stallanlage auf der Reitsportanlage in Richtung Elnhausen stellt sich die Frage nach dem Erfordernis eines Zielerweiterungs- bzw. -abweichungsverfahrens mit dem Regierungspräsidium. Der RP hatte nach unserer Kenntnis zuvor ein solches Verfahren in diesem Zusammenhang gefordert.


Offener Brief (Feedback) der Stadtteilinitiative an OB Dr. Spies, Ortsvorsteher P. Reckling, Koordinierungsstelle Bürger*innenbeteiligung G. Newiger-Addy

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Feedback BI DAGO_Vorortdialog 30_09-2020
Microsoft Word Dokument 76.0 KB

Antwortschreiben Oberbürgermeister Dr. Spies vom 05.10.2020

 



Neuaufstellung des Regionalplans Mittelhessen – Flächen für Siedlungszwecke Grundsatzpapier / Regionalversammlung Mittelhessen – RP Gießen, Haupt- und Planungsausschuss 18.09.2020

Im Entwurf eines Grundsatzpapiers für die Regionalversammlung werden Gebiete (u.a.) für Dagobertshausen ausgewiesen, für die sich die Stadt Marburg eine „Zurückstellung der Belange Landwirtschaft, Klima. Regionaler Grünzug (zum Zwecke der) … Eigenentwicklung von Siedlung und Gewerbe“ wünscht. Zu beachten sind die lila Umrandungen rund um den Hofgutkomplex, parallel zum Unteren Schlehdornweg bzw. Flachpfuhl und für das Gebiet Weidenbrunkel. Was das bedeutet wird im Grundsatzpapier im Anhang zu Ziffer 8 wörtlich ausgeführt:

 

„Um den Kommunen eine Eigenentwicklung zu ermöglichen, aber auch um kleinflä-
chige Entwicklungsmöglichkeiten am zentralen Ortsteil zu eröffnen, die keine Fest-
legung als Vorranggebiet Siedlung Planung rechtfertigen, werden an geeigneten
Ortsrändern die Vorränge für Landwirtschaft, Klima und / oder Regionaler Grünzug
zurückgestellt. Im Gegensatz zum RPM (Regionalplan Mittelhessen) 2010 soll auch in
Ortsteilen, in denen VRG (Vorranggebiete)
Siedlung Planung festgelegt sind, zukünftig eine kleinflächige Entwicklung in Vorbe-
haltsgebieten für Landwirtschaft ermöglicht werden, um insbesondere die Zentralen
Ortsteile zu stärken.

 
Die Zurückstellung der Belange von Landwirtschaft und Regionalem Grünzug ent-
sprechend RPM 2010 entfällt dabei zunächst vollständig. Unter Berücksichtigung der
Flächennutzungspläne und der Ergebnisse der Gemeindebefragung werden diese
Flächen neu abgegrenzt. Dabei fließen die oben genannten Restriktionskriterien ein.
Im Luftbild offensichtliche, umfangreiche Flächenreserven im Bestand führen zu einer
restriktiveren Zurückstellung der Belange von Landwirtschaft, Klima und Regionalem
Grünzug.“ 

Gastbeitrag in das Marburger – Thema Regionalplan Mittelhessen (RPM) 2020

Auszug: "Alle 8 Jahre wird der Regionalplan neu aufgelegt, so sieht es das Raumordnungsgesetz vor. Hierzu unterbreiten die Kommunen zunächst Vorschläge, wo sie gerne – ggf. neue – Vorranggebiete für Siedlung, Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Regionale Grünzüge, wo Vorbehaltsgebiete für besondere Klimafunktion, vorbeugenden Hochwasserschutz, Grundwasserschutz, oberflächennahe Lagerstätten, wo Logistikzentren, Verkehrswege, Haltepunkte, Anschlussstellen usw. hätten. Sodann arbeitet die Regionalplanungsabteilung am Regierungspräsidium einen ersten, zweiten und ggf. dritten Entwurf aus, welcher der Öffentlichkeit und den Trägern öffentlicher Belange zur Stellungnahme offengelegt werden. Schließlich beschließt die Regionalversammlung die endgültige Fassung, welche nach Genehmigung durch das Wirtschafts- und Verkehrsministerium öffentlich bekanntgemacht wird und damit in Kraft tritt."  (...)

"Der Magistrat begehrt eine Verkleinerung der Siedlungserweiterungsflächen im Osten und eine Vergrößerung im Westen. Um dem Regierungspräsidium künftig die Mitsprache hierbei zu entziehen verlangt er die Aufhebung der Vorranggebiete Landwirtschaft und regionaler Grünzug um die westlichen Außenstadtteile." 

 

https://www.das-marburger.de/2020/09/stadt-marburg-bevorratet-boden-plant-gewerbeschwerpunkt-ost-bei-bauerbach-schroeck-moischt-und-moechte-sich-dabei-nicht-in-die-karten-sehen-lassen/

 

Negativszenario – Konsequenzen für Dagobertshausen?!

Das ist gleichsam die Vorbereitung zum Negativ-Szenario, das im u.a. Sachbuch  auf S. 105 f. beschrieben wird. https://www.buechner-verlag.de/buch/dagobertshausen/

  • Der Hotel-Konferenz-Komplex Hof Mengel wird gebaut. In der Folge werden nicht nur 90 Hochzeiten, wie für das Jahr 2020 angekündigt, sondern 200 und mehr Hochzeiten pro Jahr stattfinden in Dagobertshausen. Noch mehr nicht-kirchliche Trauungen mit dem »Segen der Kirche«… .
  • Ein Kongresszentrum mit täglichen Firmenveranstaltungen als Außenstelle der DVAG würde dafür sorgen, dass nicht nur im Sommer und an Wochenenden (wie bei Hochzeiten üblich) gefeiert würde, sondern mit Firmenevents und anderen kommerziellen Feierlichkeiten an nahezu jedem Tag im Jahr. Mit MICE (=geschäftlicher Tourismus) ist man auf einem guten Weg dazu.
  • Das Doppelte an Großevents und internationalen Reitsportveranstaltungen würde möglich sein: Nicht mehr 80.000 Besucher, sondern 160.000 Besucher pro Jahr. Und wenig später könnte dies auch noch weiter steigen, wenn …
  • … dann weitere Höfe im Ortskern hinzugekauft und ungenutzt würden, die derzeit noch landwirtschaftlich genutzt werden. Dann könnten weitere Event-Locations entstehen, warum nicht zur Abwechslung mal ein Spielcasino oder eine Groß-Diskothek?
  • … dann müssten weitere Hotels geschaffen werden. Der gesamte Ortskern würde zu einem zusammenhängenden, ausgedehnten Freizeitpark umgewandelt.
  • Aber dazu wären zusätzliche infrastrukturelle Eingriffe erforderlich: Ein weiterer Großparkplatz in nördlicher Richtung, eine dauerhafte Sperrung der Straße im Dorfe und eine entsprechende Umgehungsstraße wären unumgänglich.
  • Vielleicht auch noch ein Golfplatz in Richtung Elnhausen oder doch lieber eine Erweiterung der schon bestehenden Reitsportanlage?
  • Und damit‘s auch nachhaltig wird: Die Schaffung von neuer Ausgleichsfläche … der Ausgleichsfläche … der Ausgleichsfläche...  als Ausgleich für bestes Ackerland. 


 

Neu erschienenes Sachbuch Dagobertshausen – Ausverkauf eines Dorfes?

UTE GÖBEL-LEHNERT, THOMAS RAUTENBERG

© Büchner-Verlag, Marburg, erschienen am 22. Juli 2020

 

Bestellbar u.a. über Büchner Verlag und/oder in Marburger Buchhandlungen erhältlich

https://www.buechner-verlag.de/buch/dagobertshausen/

 

Dagobertshausen – ein Ortsteil im Westen von Marburg – droht erstickt zu werden: erdrückt von den Zumutungen der ortsansässigen Freizeitindustrie, einer beispiellosen Expansion von großformatigen Unterhaltungsbetrieben und von dem Geschäft der vorhandenen Locations, die jährlich viel Lärm und Verkehr sowie Besuchermassen in den kleinen Ort schwemmen.

Ute Göbel-Lehnert und Thomas Rautenberg, die beide seit Jahrzehnten in Dagobertshausen leben, veranschaulichen, wie der Ort von einer einzelnen Investorenfamilie in knapp zehn Jahren zu einem Freizeitpark verwandelt wurde, ohne Rücksicht auf die Bewohner_innen und mit willfähriger Unterstützung durch Politik, Verwaltung und den Ortsbeirat. Analysiert wird der Strukturwandel, aber auch der gewachsene Widerstand, der sich dagegen formiert und der die Gefahren einer weiteren Zerstörung der Wohn- und Lebensqualität des Ortes benennt.

 

Das regionale Beispiel ›Disneyland Dagobertshausen‹ wird in überörtliche Trends moderner Freizeit- und Tourismusindustrie eingeordnet, die sich mit den Begriffen Overtourism, Eventtourismus, Freizeitkollaps oder Business Travel überschreiben lassen. So will es weit über den Ort hinaus sensibilisieren, für gesamtgesellschaftliche Problemlagen und mögliche Strategien und Initiativen im Umgang damit.

 

 

Zitat: »Wir wollen uns nicht mehr zurückhalten, denn Zurückhaltung war hier viel zu lange angesagt. Sie hat unter anderem bewirkt, dass die Freizeitindustrie der örtlichen Gewerbebetriebe in Ruhe expandieren konnte – und den einst beschaulichen Ort explosionsartig zu einem Event-Zentrum veränderte.«

 

Rezensionen: Dagobertshausen - Ausverkauf eines Dorfes?

  • Glückwunsch zum Dagobertshausen-Buch, dass ich natürlich sofort bestellt und verschlungen habe - sehr spannende Details zur häppchenweise Genehmigungspraxis.
  • Ich finde das Buch sehr gelungen, da es sehr professionell aufgebaut ist und eine differenzierte Quellenarbeit vorliegt.
  • Ihr Buch habe ich mit sehr viel Interesse gelesen … Gut geschrieben, gut recherchiert und gut eingeordnet in die allgemeine Debatte – ein Genuss … wir konnten es bereits den Marburger Stadtverordneten zur Lektüre empfehlen.
  • Ich gratuliere Ihnen zu diesem Buch, dass die Entwicklung, die Situation und Problemlagen in Dagobertshausen sehr präzise und zutreffend beschreibt.
  • Ihr Buch habe ich mit großem Interesse gelesen und wünsche Ihnen für Ihre Anstrengungen weiter viel Erfolg.
  • Das Sachbuch leistet damit eine umfangreiche und profunde Schilderung der Entwicklung, Folgen, und Betroffenheiten bis hin zum Widerstand der Wohnbevölkerung zum Ausverkauf ihres Dorfes. Polemik und Überzeichnung sind nicht Anliegen der kompetenten Buchautoren. Trotz eigener Betroffenheit als Wohnbürger/in präsentieren sie Informationen und sachliche Einordnung, zugleich mit kompetentem Blick auf besondere Fragestellungen, die über Dagobertshausen hinausweisen. Ein gelungenes aufklärerisches und nicht alleine im Marburger Land unbedingt lesenswertes Buch.

 

 

 

 

 

 

„Dagobertshausen Ausverkauf eines Dorfes?“ – Monopoly im Marburger Land in Zeiten des Finanzkapitalismus

 

Ute Göbel-Lehnert und Thomas Rautenberg über die Folgen von »Overtourism« in einem Marburger Stadtteil und dörfliche Idylle-Vorstellungen als Kulisse für Investoreninteressen

Von Sigrun Matthiesen

 

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1140894.wie-dagobertshausen-zum-freizeitpark-wurde.html

 

Eine weitere aktuelle Besprechung zum Buch finden Sie unter dem Link:

https://www.das-marburger.de/2020/08/buchbesprechung-dagobertshausen-ausverkauf-eines-dorfes-monopoly-im-marburger-land-in-zeiten-des-finanzmarktkapitalismus/

 

Bulli-Talk mit Ute Göbel-Lehnert und Thomas Rautenberg

 

Ein spannender Dreh in der Reihe Bulli-Talk des Büchner Verlages mit Ute Göbel Lehnert und Thomas Rautenberg zu ihrem Buch Dagobertshausen – Ausverkauf eines Dorfes?

 

https://www.youtube.com/watch?v=3a2FOoaAxSg